Der König der Delfine

Orca, Blackfish, Killerwal und Schwertwal. Die unterschiedlichsten Namen hat man diesem Delfin gegeben. Der lateiniche Name, Orcinus orca, bedeutet soviel wie Wal (orca) aus dem Reich des Toten (Orcinus)

Jahrelang wurde er auch als Blackfish bezeichnet wegen seinem charakteristischen Schwarz-Weiß-Zeichenmuster: schwarzer Rücken, weißer Bauch, linsenförmiger weißer Fleck hinter dem Auge und einen grauen Sattel hinter der Rückenfinne.

Fantasievoller waren dagegen die alten Walfänger. Sie beobachteten schon im 18. Jahrhundert wie Orcas Jagd auf Seehunde und andere Meeressäuger, wie kleinere Delfine und kleine Wale, machten. Sie bezeichneten ihn deshalb als „Killer of Whales“ und so war der Name Killerwal geboren.

Den deutschen Namen Schwertwal verdankt dieser Delfin seiner ausgeprägten Rückenfinne. Diese Rückenfinne kann bei einem männlichen Schwertwal bis zu 1,80 Meter groß werden. Sie ist  steil aufgerichtet und wenn der Delfin auftaucht sieht man als erstes diese Rückenfinne aus dem Wasser ragen. Sie erinnert dann wirklich an ein großes Schwert. 

Die weiblichen Tiere sind allerdings nicht mit solch einem hohen Schwert gekrönt. Ihre Rückenfinne ist wesentlich kleiner, meistens unter einem Meter,  sichelförmig und mehr nach hinten gebogen.  Anhand dieser Rückenfinne kann man sehr leicht auch über Wasser die männlichen Schwertwale von den weiblichen unterscheiden. 

männlicher Schwertwal

weiblicher Schwertwal

Der Schwertwal ist die größte Art der Familie Delphinidae. Männliche Tiere können bis zu 9 Meter lang werden, während die weiblichen Tiere nur maximal 7 Meter Länge erreichen. Eigentlich müsste er Schwertdelfin heißen, aber aufgrund seiner Größe wird er mehr als Wal gesehen.

Die Unterscheidung zwischen Delfin und Wal ist keine wissenschaftliche, sondern wird nur durch die Größe bestimmt.

Die Heimat der Orcas sind sämtliche Weltmeere, dabei ist Orca aber nicht gleich Orca!

Denn es existiert eine ganze Reihe von verschiedenen Schwertwal-Typen, die sich in Körperbau, Färbung, Sozialverhalten und Lautäußerungen unterscheiden. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind jedoch die bevorzugten Beutetiere und die damit verbundenen Jagdtechniken. 

Der Schwertwal ist im Grunde ein Allesfresser. Das heisst von Fischen, Pinguinen, Robben und andere Wale und Delfine steht alles auf dem Speiseplan.

Allerdings haben sich einige Wale auf den Fang einer bestimmten Beute spezialisiert.

Die Schwertwale in Kanada sind wohl die best erforschten Orcas der Welt. Und hier wurden auch Orcas mit verschiedenen Nahrungsfavoriten beobachtet. Darum wurden die Schwertwale in Kanada das erste mal in drei verschiedene Kategorien eingeteilt:
in eine Resident-, Transient- und Offshore-Population.

Diese Einteilung wird mittlerweile auf alle Orcas in allen Weltmeeren übernommen.

Die residenten Populationen halten sich meistens in Küstennähe auf und jagen überwiegend Fische (Küstenfischfresser)

Auf der Suche nach Beute und beim Verfolgen von Heringsschwärmen suchen sie auch schon einmal die offene See. Gelegentlich können sie auch in Flussmündungen vordringen.

Typische Beispiele für eine residente Population kennen wir im Nordpazifik vor Vancouver in Kanada, wo sie sich auch vermehrt von den dortigen Lachsbeständen ernähren. Und in den europäischen Gewässern östlich von Grönland, Island, Schottland und vor allen Dingen entlang der  Norwegischen Küste. Hier besteht Ihre Nahrung aus Kabeljau, Makrelen und Lodde.

Aber die Hauptnahrung ist der Hering!

Die Vorliebe zum Hering führt dann auch jedes Jahr zu spektakulären Begegnungen in Norwegen, wo man von Oktober bis Januar die Orcas bei der Jagd nach Heringen beobachten kann. 

In großen Schulen schwimmen sie in die Fjorde, um dort gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Dabei treiben sie die Heringsschwärme zusammen, indem sie sie einkreisen. Sobald ein konzentrierter Fischschwarm beisammen ist, betäuben die Wale zunächst die Fische, indem sie mit ihren Fluken auf die Tiere am Rande des Schwarms einschlagen.

Dann  fressen sie die betäubten Fische einen nach dem anderen. Wobei einige Schwertwale den Schwarm durchschwimmen, während die anderen den Schwarm als Ball regelrecht zusammenhalten. Diese Strategie erfordert viel Kraft und eine ausgeprägte Zusammenarbeit. 

Dass die Buchten mit Tonnen von Heringen gefüllt sind, wissen aber nicht nur die Oracs, sondern auch die weit größeren Buckelwale. Diese gehören zu den Bartenwalen und ernähren sich ebenfalls von Schwarmfischen, meistens Krill, aber auch Sandale und eben Heringe.

So kann man dort das einmalige Schauspiel beobachten und bewundern, wie Zahnwale und Bartenwale nebeneinander schwimmen und jagen

Allerdings nicht immer zum Spaß der Orcas, denn die Buckelwale warten einfach ab bis die Orcas den Schwarm zusammen getrieben haben. Dann tauchen die Buckelwale ab und stoßen mit weit geöffnetem Maul mitten in den Schwarm, um sich den Bauch voll zuschlagen. Das hat natürlich zur Folge, dass der Schwarm wieder auseinandergerissen wird und die Orcas von neuem mit der Arbeit des Zusammentreibens beginnen müssen.

Ein Schwertwal benötigt ungefähr 4% seines eigenen Körpergewichtes an Nahrung. Geht man von einem Durchschnittsgewicht von ca. 2300 kg aus, benötigt dieser jährlich um die 34 Tonnen Fisch. Nimmt man weiterhin an, daß z.B. die Population vor Norwegen etwa 1500 Tiere zählt, so beläuft sich der jährliche Bedarf nur dieser einzigen Population auf etwa 50 000 Tonen Hering. 

Ist diese Annahme richtig, würden die Schwertwale ca. die Hälfte des minimalen Heringsbestandes vor Norwegen erbeuten.

Die als transient bezeichnete Population jagen andere Meeressäuger, insbesondere Robben, Walrosse, Pinguine und große und kleine Wale. Aber auch Fische werden nicht verschmäht. Das heißt, sie ernähren sich nicht ausschließlich von anderen Meeressäugern.

Diese transienten Populationen müssen komplett andere Jagdstrategien anwenden, weil sie bevorzugt nur einzelne Beutetiere jagen.

Sind sie auf Beutezug auf andere marine Säuger, werden regelrecht organisierte Angriffe auf ein einzelnes Tier angewendet. Sie bevorzugen dabei junge Wale und greifen den Kopfbereich an. Sie drehen die Zunge und Stücke des Blubbers (der Fettschicht) heraus und beißen in die Rückenfinne und Schwanzflosse.

Dabei greifen sie bevorzugt von hinten an, tauchen ab und drücken die Beute an die Wasseroberfläche damit dieser nicht mehr abtauchen kann. 

Die Robbenspezialisten haben Fangtechniken entwickelt, die uns nur in Staunen versetzten können. Während einige in den Polargebieten die Robben regelrecht von der Eisscholle schubsen, indem sie die Eisschollen zerbrechen oder solche Wellen erzeugen, dass es auch die letzte Robbe von der Scholle spült, hat sich eine Orcafamilie darauf spezialisiert, die jungen unerfahrenen Robben an Land anzugreifen und zu fressen. 

Diese Familie, die zur Zeit aus 19 Mitgliedern besteht, kommt regelmäßig in der Zeit von März bis April an einen ganz bestimmten Strandabschnitt in Punta Norte auf der Halbinsel Valdes in Patagonien. Dabei stoßen die Schwertwale mit dem Kopf voran auf die Küste zu und lassen sich von den Wellen anlanden, wobei dann ein unerfahrenes Robbenjunge an Land oder in Strandnähe ins Wasser gezerrt wird.

Sind die Robbenjungen allerdings flügge geworden und im Meer verschwunden, verschwinden auch die Orcas wieder. Wohin die Orcas dann weiterziehen oder wo sie sich in der Zeit ab April bis zum nächsten März aufhalten, ist nicht bekannt. Man sieht sie erst wieder im nächsten Jahr, wenn die Robben Babys Anfang März neu geboren werden.

Diese Orca Familie wird schon seit vielen Jahren von Forschern beobachtet und sie wissen, dass diese Fangtechnik von den jungen Kälbern von ihren Müttern regelrecht erlernt werden muss. Diese Art von Robbenfang ist kein angeborener Instinkt.

Ausgewachsene männliche Orcas hat man übrigens bei dieser Fangtechnik noch niemals beobachten können.

Auffallender Unterschied dieser beiden Gruppen, der residenten und der transienten, ist auch ihre Lautäußerung beim Jagen von Beute. Während die residenten eine rege Kommunikation beim Fang von Fischen wie Lachsen oder Heringen weiter pflegen, sind die transienten beim Fang der einzelnen Beuteltieren wie Robben oder andere Meeressäuger usw. mucksmäußchen still.

Auch eine Vermischung dieser beiden Gruppen wurde vor der Küste Kanadas noch nie beobachtet, so dass die Forscher heute davon ausgehen, dass eine Fortpflanzung zwischen residenten und transienten Oracs nicht stattfindet. 

Auffallend beim Verspeisen der Beute ist, dass nur bestimmte Teile der Beute verzehrt werden. Beim Pinguin werden z.B. nur die Brustmuskeln gefressen und bei den Walen nur die Zunge, die Lippen und die Fettschicht.  Und auch die Robben werden regelrecht ausgeweidet, um an bevorzugte Körperteile zu gelangen. Der Rest wird übriggelassen und oft von Seevögeln gefressen.

Die Offshore-Population wird auch „ozeanische Population“ genannt, weil sie weit weniger an die Küsten gebunden ist und im offenen Ozean lebt. Über die Lebensweise dieser Schwertwale ist nur wenig bekannt, aber man nimmt an, dass die Ernährung hauptsächlich aus Fisch besteht, aber auch Kopffüßer und andere Meeressäuger nicht verschmäht werden.

Den weltweiten Bestand an Schwertwalen schätzt man auf ca. 70 000 Tiere. Sie haben keine natürlichen Feinde und stehen am Ende der Nahrungskette. 

Dem Sozialverhalten des Schwertwals liegt eine komplexe Populationsstruktur zugrunde, deren Grundeinheit die Mutterlinie ist. Eine typische Gruppe besteht aus einem alten Weibchen, ihren Kälbern sowie den Kälbern ihrer weiblichen Jungtiere. 

Die weiblichen Tiere werden mit ca. 6 – 10 Jahren geschlechtsreif, die männlichen Tiere erst mit 12 – 16 Jahren. 

Die Tragzeit beträgt 12 – 16 Monate und das Kalb ist bei seiner Geburt ca. 2 Meter groß. Es wird ungefähr ein Jahr lang gesäugt. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass bereits nach einigen Monaten die erste feste Nahrung zusätzlich aufgenommen wird.

Schwertwale können ungefähr ein Alter von 50 – 60 Jahren erreichen, wobei die weiblichen Tiere noch älter werden können. 

Bei den Schwertwalen weiß man auch, dass die weiblichen Tiere in eine Menopause kommen und etwa ab dem 40. Jahr keine Kälber mehr zur Welt bringen.

Es wird viel über die Intelligenz der Tiere spekuliert, aber  was bezeichnen wir als Intelligenz?

 Wir wissen, dass die Orcas über eine eigene Sprache mit vielen Dialekten verfügen, sie haben organisierte Jagdstrategien und geben diese an Ihre Jungtiere weiter, die sie regelrecht erlernen müssen.

Es ist definitiv ein intelligentes Verhalten und es ist bemerkenswert, dass das Verhältnis der Gehirnmasse zu der des Körpers bei weitem größer ist als bei großen Bartenwalen und etwa gleich dem des großen Tümmlers. 

Diesen Tieren sollten wir mit Respekt begegnen und sie nicht für unser Vergnügen in enge Betonbecken sperren!


Spannende und empfehlenswerte Veröffentlichungen:


Mit den Augen der Orcas  von Doris Thomas

Ein spannender und ergreifender Roman über die Nördlich Residenten Orcas, die bei Vancouver Island/Kanada leben. Basierend auf intensiven Recherchen taucht der Leser auf eine ganz besondere Weise in die Welt der Orcas ein, ganz so, als wäre er selber ein Mitglied der Orca-Familie.

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Bestellung: www.buecher.de

Buchtrailer „Mit den Augen der Orcas“  


Florian Graner…
…ist Meeresbiologe und hat intensiv das Verhalten der Orcas vor der Küste Kanadas erforscht.

Als Naturfilmer hat er mit seiner eigenen Filmproduktion eine DVD über die Orcas gedreht.

www.sealife-productions.com

zum Thema

Orcas greifen Pottwale an

Delfine

Der Amazonas Flussdelfin

Borneo-Delfin

Der Schlankdelfin

Spinnerdelfin

Breitschnabeldelfin

Rundkopfdelfin

Kleine Schwertwale

Grindwale

Schnabelwale

Zwerggrindwale

Wale hautnah – Das Buch

DAS BUCH, DAS IHNEN DIE WALE SO NAHE BRINGT, WIE SIE DIESE NOCH NIE GESEHEN HABEN

Noch nie hatten mehr Menschen die Chance zu Walbeobachtungen als heute. Meist bleibt es bei den flüchtigen Augenblicken, die Whalewatching – Touren bieten. Doch diese reichen schon aus um uns in Staunen und Ehrfurcht zu versetzen und für einen kurzen Moment des Glücksgefühls den Atem anzuhalten. Kommt man diesen gewaltigen Tieren aber näher, ja gelangt man sogar in Berührungsnähe, wie Andrea und Wilfried Steffen, kann dies ein ganzes Leben verändern.

Spannend und einfühlsam lassen sie die Leser an ihren hautnahen Walbegegnungen teilnehmen. Mit einmaligen Aufnahmen, vor allem von den drei Großen, den Blau-, Buckel- und Pottwalen belegen sie ihre in weltweiten Beobachtungen gesammelten Erkenntnisse. Einzigartig ihre jahrelange Begleitung der „Group of Seven“ einer Gruppe von Pottwalen, den größten Raubtieren der Erde, bei der sie das Heranreifen eines Jungbullen von der Geburt an erleben konnten.

Tauchen Sie ein in die Welt der Wale. Erleben sie Großaufnahmen aus allernächster Nähe und erfahren sie interessante Forschungsergebnisse aus dem geheimnisvollen Leben dieser Meeresriesen.

Näher geht es nicht …

Sachbildband gebunden, 168 Seiten, 231 großformatige Farbabbildungen, Format 28,5 x 23,5, ISBN 978-3-89594-965-4, Preis 24,90 €

Über uns

  • Kontakt
  • Vorträge
  • Termine
  • Impressum

Bücher

  • Pottwale - Im dunklen Blau des Meeres
  • Wale Hautnah - Das Buch