Pottwale vor Westaustralien

Über die Verteilung und Nutzung des pelagischen Lebensraums durch Pottwale im südöstlichen Indischen Ozean vor Westaustralien ist wenig bekannt.

Jedoch stehen nun eine Vielzahl von Daten über Online-Portale zur Verfügung, wo auf Aufzeichnungen historischer Expeditionen, des kommerziellen Walfangs und modernen wissenschaftlichen Forschungsreisen zugegriffen werden kann.

Diese Online-Datensammlung ermöglicht die Zusammenstellung von Präsenz-Informationen der Tiere und stellt ein wertvolles Instrument zum besseren Verständnis in wenig erforschten Gebieten dar.

In einer neuen Studie ( veröffentlicht in 2016 ) wurden vier Datenquellen untersucht, die wichtigste war die Reise der Odyssey Expedition, eine 5-jährige globale Studie von Pottwalen und der Verschmutzung der Ozeane. Von Dezember 2001 bis Mai 2002 wurden in insgesamt 5.200 nautischen Meilen mit akustischen Untersuchungen in Western Australia, einschließlich des Perth Canyon und des historische Walfang Gebietes um Albany durchgeführt. 60 Gewebebiopsie Proben wurden ebenfalls gesammelt. Zu Ergänzung der Bereiche, die nicht von der RV Odyssey erfasst wurden, wurden historische Yankee Walfang Daten (1712-1920), kommerzielle Walfang Daten (1904-1999) und Berichte von Pottwal-Sichtungen (1990-2003) verwendet.

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Pottwale bewohnen und finden ihre Nahrung in tiefen Offshore-Gebieten in allen Ozeanen der Welt und wurden ausgiebig über seit zwei Jahrhunderten gejagt. An der westlichen australischen Küste sind zwei wichtige historische Phasen der Pottwalfangs aufgetreten –das Jagen mit offenen Booten unter Segel von Walfängern aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Deutschland (1712-1920) und die kommerzielle, mechanisierte Jagd (1904-1999), die in erster Linie am Festlandsockel in der Nähe von Albany und im New Holland Gebiet vor Carnarvon stattfand.

Derzeit sind Pottwale als „verletzlich“ in der Roten Liste der bedrohten Arten aufgeführt. Dies ist vor allem der Präferenz der Walfänger für männliche Pottwale, wegen ihrer Körpergröße und ihres Gewichtes, geschuldet. Die Ausbeutung der Bullen in der Population aus Süd-West-Australien zeigt dies deutlich.

Die Ergebnisse der Yankee Pottwalwalfangs von 1735–1920:

Insgesamt wurden in dieser Zeit 616 Tiere getötet in erster Linie im historischen New Holland Walfang Gebiet im Herbst, Winter und Frühjahr. In den Sommermonaten fand der Walfang in erster Linie vor der Süd-West-Küste Australiens statt. Keine Aktivität gab es dagegen im Perthcanyon.

Von 1936 bis 1978 fielen dem kommerziellen Walfang 16.080 Pottwale im Untersuchungsgebiet zum Opfer. Der größte Teil des kommerziellen Walfangs konzentrierte sich um die Walfangstation in Albany mit 91% der getöteten Tiere. Andere Länder, darunter Japan (4%), UdSSR (5%) und den USA (<1%) erlegten ebenfalls Pottwale in der Region, obwohl diese Aktivität in erster Linie an der Küste stattfanden. Die Ergebnisse der IWC-Daten umfassen das Geschlecht der getöteten Tiere (17% Weibchen, 84% Männchen) nach Saison.

Die Zahl der getöteten Tiere stieg von 1953 an. Obwohl die Männchen die primären Ziele der Walfang-Aktivitäten bis in die 1970er waren, gab es danach eine zunehmende Jagd auf Weibchen. Im Jahr 1978 verbot endlich die australische Commonwealth-Regierung den kommerziellen Walfang.

Seitdem gibt es keine genaueren Informationen darüber, ob sich der Pottwal-Bestand in diesen Gebieten seitdem wieder erholt hat.

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Aus diesem Grund sammelten die Forscher und Wissenschaftler sämtliche zur Verfügung stehende Daten:

Von 2000 bis 2005 hat das Forschungsschiff Odyssey, eine 28 m Motorsegel Ketsch die für die Walforschung im offenen Meer ausgestattet ist, Gewebebiopsien von Pottwalen im ganzen Pazifik, Indischen und Atlantischen Ozean und das Mittelmeer gesammelt.

Von Dezember 2001 bis Mai 2002 befuhr die Odyssey insgesamt 5200 km vom Perth Canyon und Albany Canyon bis in die traditionellen Yankee Walfang-Gebiete (New Holland Gebiet) und auf die Kokos Inseln. Das primäre Ziel war, die Pottwale mit akustischen Methoden in der Tiefe zu verfolgen und, wenn sie an die Oberfläche zurückkehrten, Gewebeproben zu erhalten und auf chemische Schadstoffe zu analysieren.

Die Besatzung teilte sich die Aufgaben um eine 24h Überwachung sicherzustellen. Die akustische Verfolgung wurde unter Verwendung eines 100 m langen Hydrophon-Arrays hergestellt, bestehend aus zwei Benthos AQ4 Hydrophon Einheiten mit Benthos AQ201 Vorverstärker die 2m auseinander lagen. Die effektive Hörweite betrug 1-25 km, je nach Wetterbedingungen, der Art der Töne und ob das Schiff unter Motor oder Segeln fuhr. Das Ausgangssignal wurde auf Kopfhörer und Stereo-Lautsprecher im Ruderhaus übertragen. Während das Schiff fuhr, überwachte die jeweils wachhabende Person kontinuierlich Klänge aus dem Array.

Eine optische Beobachtung wurde während der Tagesstunden (~0600- 2000) von einer Aussichtsplattform, die sich 4,6 m über dem Wasserspiegel befindet, mit einer maximalen Entfernung bis zum Horizont von 7,5 km durchgeführt. Ein oder zwei Beobachter beobachteten den Bereich vor dem Schiff bis zum Horizont mit dem bloßen Auge und mit einem leistungsstarken Feldstecher.

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Beobachter zeichneten alle Meeressäuger Sichtungen in dem Programm Logger 2000 auf, mit Informationen über die geographische Lage, Wassertiefe, die gesichteten Arten, die geschätzte Zahl der Tiere, Verhalten, Peilung und Entfernung zum Schiff und weitere Daten auf. Alle 30 min, während die Tiere gesucht wurden, zeichneten die eingesetzten Instrumente die Temperatur der Meeresoberfläche, die Wetterbedingungen, den Seegang, Dünung und weitere meteorologischen Bedingungen auf. Die Beobachtungen wurden in Zeiten von schwerem Regen und einem Seegang über Beaufort 6 eingestellt.

Pottwale, die weniger als die Hälfte der Länge des Begleittieres maßen, wurden als Kälber klassifiziert. Tiere mit mehr als die Hälfte der Länge einer erwachsenen Begleitperson, aber weniger als die volle Größe, wurden als unreife Tiere erfasst und ausgewachsene Männchen wurden durch ihre Größe bestimmt (geschätzt auf > 12 m). Biopsien wurden von frei lebenden Pottwalen mit Standardverfahren gesammelt, wobei es sich um eine Armbrust mit einem 50 mm Edelstahl Pfeil handelte.

Fünfzig Tage wurden für die akustische und visuelle Suche unter verschiedenen Wetterbedingungen und der automatisierten akustischen Erfassungen von Pottwalen aufgebracht.

Dreiundzwanzig Tiere wurden um die Albanycanyons erfasst, davon 11 Männchen und 12 Weibchen. In den anderen Bereichen in denen Biopsien gesammelt wurden, waren es nur Weibchen. 12 davon im Perthcanyon, der Rest in den alten Walfanggründen von New Holland. Die meisten Proben wurden entlang der Kante des Kontinentalschelfs genommen, aber auch vier Weibchen in tiefen Gewässern (-4000 bis > -6000 m), die sich wahrscheinlich auf Reisen befanden. Zusätzlich zeigten die visuellen Beobachtungen im Perthcanyon, dass die meisten der Pottwale noch Jungtiere waren.

Mit Maxent, ein Artenverteilungs-Modellierungswerkzeug, fanden die Forscher heraus, dass die Unterwasserschluchten vor Albany und Perth einen wichtigen Lebensraum für Pottwale darstellen.

Und mit diesen Erkenntnissen aus der Vergangenheit und den neuen Forschungsdaten, ist es nun vielleicht möglich diese Gebiete als wichtigen Lebensraum der Pottwale zu schützen.

Crowdsourcing Modern and Historical Data Identifies Sperm Whale (Physeter macrocephalus) Habitat Offshore of South-Western Australia

Christopher M. Johnson1,2,3*, Lynnath E. Beckley1, Halina Kobryn1, Genevieve E. Johnson2, Iain Kerr2 and Roger Payne2
1School of Veterinary and Life Sciences, Murdoch University, Murdoch, WA, Australia
2Ocean Alliance, Gloucester, MA, USA
3WWF Australia, Carlton, VIC, Australia