Unser Pottwal-Skelett

beachedIm Januar 2001 wurde ein Pottwal im Norden der Insel Dominika an einem kleinen Sandstrand angespült. Die Todesursache war vermutlich das Zertrennen der Fluke durch eine Schnellfähre. Es war ein ausgewachsenes Pottwalweibchen. Da der Wal nach kurzer Zeit begann, stark zu stinken, wurde er von den Anwohnern in 3 Stücke zersägt und ein paar Meter höher in einem tiefen Loch vergraben. Wir waren einen Monat später am Ort und markierten die Stelle.

Denn wir wollten die Knochen 2 Jahre später, nachdem das Fleisch dann hoffentlich zersetzt war, bergen und daraus ein ausstellungsfähiges Pottwalskelett erstellen. Nach Ablauf der zwei Jahre waren wir wieder zur Stelle. Wir gruben 2 Tage, ehe wir auf die ersten Knochen stießen. Leider war das Fleisch noch nicht vollständig zersetzt und es begann wieder zu stinken. Da sich die Anwohner beschwerten, verzichteten wir auf die vorsichtige Ausgrabung per Hand und besorgten einen Bagger.

a20 a22

Damit ging es natürlich wesentlich schneller, aber es wurden sehr viele, vor allem der kleineren Knochen und  Rippen zerbrochen und auch der Kopf wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch die Anwohner drängten und so waren wir froh, wenigstens die meisten der Knochen geborgen zu haben.

Da das Loch nur wenige Meter hinter der Hochwasserlinie lag, war der Sand in der Grube sehr nass und hatte unseren Knochen ebenfalls mächtig zugesetzt. Aber nach einigen Stunden hatten wir die meisten Knochen geborgen und auf einen Pickup verladen. Das Loch konnte wieder zugeschüttet werden.

Skelett_1aSkelett-knochenpickup

 

Nach einer 1 Jahr dauernden Reinigungsprozedur (die Knochen wurden zunächst einige Wochen in Waschpulverschaum gelegt, dann mit dem Hockdruckreiniger gereinigt, angebohrt, um das Öl zu entfernen, wieder gewässert, noch mal gereinigt und dann in der Sonne gebleicht) waren sie soweit, dass wir mit dem Zusammensetzen beginnen konnten.

1v 1f1b

Wir hatten uns der fachkundigen Hilfe des wohl bekanntesten Walpräparators, Günther Behrmann aus Bremerhaven, gesichert. Mit seiner Hilfe und unter seinen aufmerksamen Augen, begannen wir Knochen für Knochen wieder in die richtige Lage zu bringen.
Nach der Wirbelsäule  kämpften wir uns über die Rippen, das Brustbein und die Flipper zu unserem größten Sorgenkind, dem Kopf, durch. Eines der schwierigsten Probleme war die Materialbeschaffung.

Hier in einem dritte Welt Land gibt es eben keine Baumärkte und Spezialgeschäfte. Alles musste mühsam beschafft und vieles improvisiert werden. Doch mit viel Enthusiasmus und Spaß an der Sache ging die Arbeit voran.
Fehlende oder defekte Teile ersetzten und reparierten wir mit Holz, Draht und Pappmachè. Die Wirbel waren fast vollzählig, lediglich ein Schwanzwirbel fehlte. Die Rippen waren zerbrochen und mussten verschraubt und geklebt werden. Die Finger der Hand wurden aus Holz nachmodelliert.

1c

Doch allen Widrigkeiten zum Trotz konnten wir nach nur 28 Tagen Bauzeit stolz unser Skelett präsentieren. Es ist das Einzige in der gesamten Karibik.
Es ist etwas über 10 Meter lang. Der gesamte Wal dürfte daher eine Länge von etwas über 12 Metern gehabt haben. Er hängt nun an der Decke der offenen Terassenbar des Anchorage Hotels im Süden Dominikas. Um den Wal herum haben wir Stellwände aufgestellt. Hier werden wir über Schautafeln und Bildern die Geschichte dieses Skelettes zeigen und vieles Wissenswertes und Interessantes über Pottwale präsentieren. Wir haben das ganze auch auf Video aufgezeichnet und zeigen dies auf unseren Vorträgen über Pottwale.