Die Jagdmethode der Pottwale

Der Pottwal jagt seine Beute, aber er betäubt sie nicht.
Der Pottwal trägt eine hypertrophe (übergroße) Nase, die leistungsstarke Klicks für die Langstrecken-Echo-Ortung erzeugt. Es bleibt jedoch ein Rätsel, wie dieser Räuber seine Beute fängt. Mehrere Hypothesen haben sowohl aktive als auch passive Jagdmethoden zum Inhalt, einschließlich akustischer Betäubung mit sehr mächtigen Klicks.

In einer neuen Studie von Juni 2016 wurden die Jagdmethoden der Pottwale analysiert.

Bei dieser Studie wurden diese Hypothesen durch die Verwendung von Ton- und Bewegungssensoren, die das akustische Verhalten von Pottwalen in ihrem Kopfbereich während des Beutefangs einbezieht untersucht.

Schon bevor ein Pottwal seine Beute erreicht, reduziert er seine Klickintervalle und den geschätzten Quellenpegel um 1-2 Magnituden. Diese Lautstärke reicht dann aber nicht mehr aus, um seine Beute akustisch zu betäuben. Es geht vielmehr darum schnelle Klicks, die sogenannten Buzzes, in einer hohen Frequenz und einer niedrigen Amplitude auszusenden, die sich gut für ein hochauflösendes Biosonarbild in den letzten Phasen der Jagd eignen.

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Die hohe zeitliche Auflösung hilft bei gelegentlich längeren Verfolgungsjagden ein Bewegungsmuster der Beute zu erfassen und sie schließlich mit Hilfe von schnellen Kieferbewegungen, die einen Sog erzeugen, sowie durch Beschleunigung zu fassen und zu verschlingen.

„Es bleibt also die Frage, in welcher Art und Weise der Pottwal seinen enormen Rahmen mit ausreichend Nahrung versorgen kann“

Das schrieb der Walfang Chirurg Beale in 1840. Heute, fast 200 Jahre später, ist diese Frage immer noch relevant für die größten zahntragenden Räuber auf dem Planeten, ein wichtiger Nährstoff-Recycler in den Ozeanen und weltweit verantwortlich für einen jährlichen Biomasseverbrauch, der mit den Fangmengen der menschlichen Fischerei verglichen werden kann.

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Pottwale sind vor allem tieftauchende Raubtiere, die mehr als die Hälfte ihres Lebens unter 500 Metern Tiefe verbringen, wo sie auf dort lebende Beutetiere treffen. Die wichtigste Nahrungsquelle für Pottwale sind mittelgroße Tintenfische (0,5 m und 1-3 kg), von denen 70-80% sich langsam bewegende Tiere sind, während der Rest aus sich schneller bewegenden Tintenfisch und Fisch in geringeren Tiefen besteht.

Gelegentlich viel größere Tintenfische wie Jumbosquids oder Architeuthen wurden ebenfalls in Pottwalmägen gefunden. Dagegen eher selten waren Sardinen oder sogar Robben als Beutetiere.

Der Körperbau von Pottwalen wird durch einen großen Kopf dominiert, der bei alten Männchen bis zu 1/3 der Körperlänge erreicht. Obwohl sie einen langen, schlanken und etwas zurückliegenden Unterkiefer mit großen konischen Zähnen haben, gibt es im Allgemeinen keine Zahnmarkierungen auf ihrer verschlungenen Beute.

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Es gibt sogar mehrere Beispiele für gesunde Pottwale mit stark verformtem Unterkiefer die den Schluss zulassen, dass die Zähne beim Beuteerwerb keine Rolle spielen. Darüber hinaus gibt es eine Entfernung von mehreren Metern zwischen der Spitze der Nase und der Mund-Rachen-Öffnung, was bedeutet, dass Pottwale weit über ihre Beute schwimmen müssen, bevor sie aufgenommen werden kann, die dieser somit reichlich Gelegenheit zur Flucht gibt.

So schieben Pottwale einen großen Nasen-Komplex vor sich her und versuchen, kleine, oft agile Beutetiere mit ihrem schmalen Unterkiefer zu erfassen.

Der scheinbare Widerspruch zwischen der gigantischen Nase von Pottwalen und ihre Nahrungssuche hat, in Kombination mit ihren geheimnisvollen Tieftauchgängen, zu einer Vielzahl von mehr oder weniger informativen Spekulationen darüber geführt, wie die Pottwale es schaffen zwischen 100 und 500 Beutetiere pro Tag zu erjagen.

Die Walfänger hatten die Überzeugung, dass die Pottwale die helle Färbung ihrer Mundregion verwenden um Beute anzulocken. Diese Theorie wurde von späteren Forschern aufgenommen die annahmen, dass Pottwale bewegungslos in der Tiefe schweben und ihren Auftrieb durch selektives Heizen und Kühlen des Spermacetiorgans regulieren.

Doch neuere Studien haben gezeigt, dass Pottwale aktive Räuber sind, die manchmal bis zu einer Geschwindigkeit von mehr als 3 m/s beschleunigen und auch zu schnellen Veränderungen in der Körperausrichtung und sogar zu scharfe Kurven fähig sind.

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Diese Ergebnisse zeigen, dass Pottwale ihre Beute aktiv bei ihren Tauchgängen verfolgen. Daher sind Pottwale aktive Räuber, aber das Wissen, wie Pottwale ihre Beute finden und überwältigen ist noch sehr dünn.

Erst im Jahr 1972 fand man heraus, dass Pottwale eine Echo-Ortung verwenden um Beute zu finden und zu unterscheiden. Neuere experimentelle Beweise unterstützen diese Theorie, dass der Nasenkomplex in der Tat ein Soundgenerator ist, der die stark richtungsabhängigen Klicks mit einem Quellenpegel von mehr als 235 dB erzeugen kann, die damit die lautesten Töne im Tierreich darstellen.

Diese Eigenschaften und die Tatsache, dass Pottwale fortwährend Klicks bei ihrer Nahrungssuche produzieren legen nahe, dass Pottwale ihre Beute durch diese Langstrecken-Echo-Ortung finden. Diese Echoortung geht über in ein Summen (buzzes) und nimmt in den letzten Sekunden vor dem Beuteerwerb in der Geschwindigkeit stark zu.

Akustische Beobachtungen der Pottwale zeigen, dass dieses Summen etwa 12 s vor dem Beutefang ihren Höhepunkt erreicht. Danach nimmt sie sowohl in der Geschwindigkeit wie auch in der Intensität ab. Diese Kopplung zwischen Summen und Beutefang stützt die Hypothese, dass dieses Summen eine große Rolle beim aktiven Fang der Beute spielt.

Darüber hinaus wurde festgestellt, dass dieses Summen auch während der Bewegung nach oben und nach unten auftritt, was darauf hindeutet, dass die visuelle Erfassung der Beute für den Pottwal nicht wesentlich ist, was auch erklärt, dass gelegentlich große, gesunde aber blinde Pottwale beobachtet werden.

Sperm whale predator-prey interactions involve chasing and buzzing, but no acoustic stunning

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