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Pottwalbabys lernen schnell tief zu tauchen

Tieftauchende Pottwale haben eine komplexe soziale Struktur und die größten Gehirne auf dem Planeten, aber es ist bisher sehr wenig über die Entwicklung ihrer Tauchfähigkeiten, der Futtersuche, der Echoortung und den Kommunikationsfähigkeiten bekannt gewesen.

Doch nun haben Wissenschaftler eine Studie veröffentlicht, in der sie neue Erkenntnisse bekannt geben. Dazu wurden 3 Pottwal-Kälber, die vor der Insel Dominica leben und alle im ersten Lebensjahr waren, mit Sendern versehen.

Alle drei Pottwalkälber leben in uns bekannten Pottwalfamilien, die wir auch schon seit vielen Jahren erforschen.


Siehe  hierzu auch unseren Bericht: Die Pottwale von Dominica


Die Pottwalbabys stammen aus der Familie J (Jacosta Clan), Familie R (Rip Rascal) und Familie A (Atwood).


Siehe hierzu auch unseren Datenkatalog, wo sie diese Familien anhand der Fluken erkennen können.

Flukenbuch als PDF downloaden


Die Forscher konnten die Sender gut anbringen und insgesamt 15 Stunden lang das Verhalten der jungen Babys aufzeichnen. Dabei wurden die Tauchtiefen, die Kommunikation mit den erwachsenen Tieren und die Geschwindigkeiten beim Auf-  und Abtauchen analysiert.

Die Tauchfähigkeiten aller drei Kälber waren gut entwickelt:

Kalb J Tauchtiefe: 285 Meter Tauchzeit: 11 Minuten
Kalb R Tauchtiefe: 337 Meter Tauchzeit: 31 Minuten
Kalb A Tauchtiefe: 662 Meter Tauchzeit: 44 Minuten

Kommunikation:

Bei allen drei Kälbern konnten Echoortungsklicks aufgezeichnet werden.
Bei Kalb A, welches am längsten und tiefsten tauchte konnten auch zusätzlich noch Buzzes, (Klicks die ausgesendet werden um Beute zu lokalisieren) gehört werden.
Kalb J und Kalb R stießen jeweils einen kurzen Klick in einer Tiefe von 200 Meter aus. Das fehlen der Klick Buzzes und die Tatsache, dass beide Kälber keine Tiefen erreicht hatten, in denen die Erwachsenen Tiere auf der Suche nach Nahrung waren, legen Nahe, dass diese Kälber nicht mit dem Fangen von Beute vertraut sind, aber es schon versuchen indem sie mit abtauchen.
Im Gegenzug dazu gab Kalb A lange Klicks ab und erzeugte auch die Buzzes für Beutesuchen in einer Tiefe in der auch die Erwachsenen nach Beute klickten. Das Vorhandensein dieser Beute Klicks ist ein mögliches Anzeichen dafür, dass Kalb A sich bereits nach Beute orientiert, um seine milchbasierte Ernährung zu ergänzen.


Siehe hierzu unsere Ausführungen unter: Lebensweise und Lebensraum der Pottwale


Alle drei Kälber kommunizierten mit den erwachsenen Tieren allerdings nicht mit Codas, die Sprache der Pottwale untereinander. Die Forscher gehen somit davon aus, dass die Kälber sich in erster Linie auf passive akustische Signale von Erwachsenen verlassen, anstatt selbst die Codas auszusenden, um den Kontakt mit den Erwachsenen aufrechtzuerhalten.

Selbst wenn das Baby bei seiner Mutter säugen möchte, geschieht dies in Stille und nicht mit stimmlichen Signalen. Unterwasserbeobachtungen haben gezeigt, dass die Kälber ihr Blasloch gegen den Bereich der Genitalien drücken, in dem die Milchdrüsen sitzen, um diese zu stimulieren und anschließend die Milch aus den Säugeschlitzen aufzunehmen.
Der Mangel an akustischen Signalen zwischen Mutter und Kalb kann eine Anpassung sein, um das Risiko des Abhörens von anderen Raubtieren,  z.B. den Schwertwalen, an oder in der Nähe der Oberfläche zu vermeiden.

Auch bei den ausgeprägten Sozialisierungs -Treffen mit der eigenen Pottwalfamilie oder Mitgliedern von anderen Familien, wurden bei allen drei Kälbern keine der Codas, also der Verständigungsklicks, aufgezeichnet.
Die Forscher gehen davon aus, dass die Kälber keine speziellen Signale abgeben müssen, um den Kontakt mit tieftauchenden erwachsenen Walen aufrechtzuerhalten. Das reichliche Vorhandensein der akustischen Signale der erwachsenen Pottwale scheint ausreichend zu sein, damit die Kälber den Spuren der erwachsenen Tiere folgen können.


Tauchverhalten:

Im Gegensatz zu den Erwachsenen verbrachten alle drei Kälber im Vergleich zu den Erwachsenen beim Aufstieg weniger Zeit als beim Abstieg.
Um einen schwimmenden Körper bei tieftauchenden Walen wieder an die Oberfläche zu bringen, sind gut entwickelte Tauchfähigkeiten und ein sorgfältiges Timing der Tauchgänge erforderlich, um ausreichend Sauerstoffressourcen für einen energiereichen Aufstieg zu gewährleisten.
Bei allen drei Kälbern wurden eine höhere Schlaganzahl der Schwanzflosse beim Auftauchen gemessen als bei den erwachsenen Tieren . Dadurch erreichten die Kälber sogar teilweise höhere Geschwindigkeiten als die erwachsenen Tiere. Das unterstreicht, dass sie den erwachsenen Tieren bei einigen Tauchgängen folgen und mit ihnen Schritt halten können und/oder noch nicht gelernt haben, ihre Sauerstoffvorräte zu verwalten, um die Tauchdauer zu maximieren.


Ergebnis:

Zusammenfassend ergibt sich aus dieser Studie das junge Pottwalkälber viel früher als angenommen, also schon in ihrem ersten Lebensjahr mit den erwachsenen Tieren in die Tiefe tauchen und dort auch schon anfangen, nach Beute zu suchen, um ihre Milchdiät mit anderen Nahrungsmitteln zu ergänzen.

Beim Tieftauchen scheinen die Jungen sich in erster Linie auf passive akustische Signale von Erwachsenen zu verlassen anstatt selber die Codas als Signal auszusenden. Der Pottwal als hochsoziales Säugetier hat somit möglicherweise die Entwicklung seines Bewegungsapparates und des Tauchens potenziell auf Kosten einer langsameren Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten gesetzt, was auch deren anhaltende Abhängigkeit zu den anderen Familienmitgliedern erklärt.


First-year sperm whale calves echolocate and perform long, deep dives

Pernille Tønnesen, Shane Gero, +2 authors Peter Teglberg Madsen
Published 2018 in Behavioral Ecology and Sociobiology

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