Walfleisch Tour Norwegen und Grönland

Im Juni und Juli fuhren wir auf einem Kreuzfahrtschiff als Lektoren für Wale, Delfine und Robben, entlang der Norwegischen Küste nach Spitzbergen und weiter nach Grönland.

 

Natürlich war uns bewusst, dass in Norwegen und Grönland heute noch Wale gejagt und verzehrt werden. Von unseren früheren Reisen nach Grönland wussten wir auch, dass die Einheimischen ein paar Wale erlegen um sich und ihre Familien wochenlang davon zu ernähren.  Gegen diesen indigenen Walfang der Inuit ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Für diese Menschen sind die Wale überlebenswichtig, denn durch den Speck (Mattaq) oder andere Bestandteile der Wale, wie die Leber, bekommen sie ihre wertvollen Vitamine. Denn Gemüse und Obst können nun einmal nicht im ewigen Eis angebaut werden. Außerdem fangen die Inuit nur so viele Wale wie sie gerade zum Überleben brauchen, dadurch wird der Bestand der Wale nicht bedroht.P1050453

 

Das gilt natürlich nicht für das Land Norwegen. Hier werden Wale für kommerzielle Zwecke gejagt und getötet.

 

Unser erster Anlaufhafen in Norwegen war die Stadt Bergen. Wir nutzten unsere freie Zeit um über den berühmten Fischmarkt in Bergen zu bummeln. Mit Entsetzen stellten wir jedoch fest, dass auf diesem Markt mehr Walfleisch als Fisch angeboten wurde. Jeder Stand hatte Walfleisch im Angebot. Entweder als Salami verarbeitet, als Steak mit Pfefferkruste, als ganzes Menü mit Kartoffeln und Salat oder mal ganz anders in Fastfood als Walburger.

An jedem Stand wurde das Walfleisch kostenlos in kleinen Stücken jedem Touristen angeboten, damit er einmal Wal probieren konnte.

Nun muss man wissen, dass die Stadt Bergen täglich von mehreren Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird. Auch bei unserer Ankunft lagen 4 Kreuzfahrtschiffe im Hafen. Da der Fischmarkt in Bergen als touristisches Highlight angeboten wird, besuchen entsprechend viele Touristen diesen Markt.

Und mit Bestürzung sahen wir, wie viele Touristen das Walfleisch probierten. Auch nachdem wir einige der Besucher darauf ansprachen, ob es ihnen bewusst ist das sie gerade ein Stück Wal im Mund haben, bekamen wir nur die lapidare Antwort: „Aber der ist doch sowieso schon Tod, und ich wollte immer schon einmal Wal probieren.“

Mit Tränen in den Augen versuchten wir immer wieder, die Touristen davon abzuhalten Walfleisch zu probieren, aber die Ignoranz dieser Besucher war unerbittlich.

 

An einem weiteren Stand hörten wir wie eine Verkäuferin drei Japanern versicherte dass das Walfleisch von Walen stammt die nicht gefährdet seien und man dieses bedenkenlos kaufen kann. Sie könnte es auch einschweißen, dann hält es sich länger und sie könnten es mitnehmen. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sprach die japanischen Touristen mit der Bitte an kein Walfleisch zu kaufen. Sie blickten mich zwar verständnislos an aber gingen dann doch weiter, ohne Walfleisch zu kaufen. Zumindest für diesen Augenblick hatten wir einen kleinen Erfolg.P1050468

Das Problem für die Zukunft ist jedoch, dass immer mehr Touristen nach Bergen kommen und das Walfleisch dort zum probieren kostenlos angeboten wird. Und auch hier regelt natürlich das Angebot die Nachfrage. Und wenn wir als Touristen nicht so vernünftig sind, dieses Angebot entschieden abzulehnen, wird in Zukunft immer mehr Walfleisch auf den Tellern landen.

 

Doch nicht nur in Norwegen sahen wir mit Sorge in die Zukunft der Wale. Auch in Grönland ist es inzwischen an der Tagesordnung den Touristen Walfleisch anzubieten.

In allen Supermärkten die wir besuchten, fanden wir Walfleisch vom Buckelwal, Narwal und Finnwal. Des weiteren werden von den Kreuzfahrtschiffen Ausflüge in Restaurants mit dem Titel: „Grönland schmecken“ angeboten. Dies wird von den örtlichen Agenturen organisiert. Dabei stehen typisch grönländische Spezialitäten auf dem Speiseplan und natürlich auch Walfleisch. Da wir jedoch als Lektoren und Wissenschaftler für Wale mit an Bord waren, baten wir die Reisleitung bei diesem Ausflug strengstens darauf zu achten, dass kein Walfleisch angeboten wird. Sie waren sehr dankbar für diese Information und haben diese Idee sofort aufgegriffen. Wir durften diesen Ausflug auch begleiten und haben dann mit Entsetzen festgestellt, dass das Restaurant sich nicht an die Angaben des Kreuzfahrtschiffes gehalten hat und trotzdem Walfleisch vom Buckelwal in Schüsseln auf dem Buffet anbot. Da wir als Reiseleitung den Raum zuerst betraten entdeckten wir es sofort und haben unverzüglich dafür gesorgt, dass diese Schüsseln entfernt wurden.

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Buckelwal im Restaurant für die Touristen in Grönland

Den Gästen haben wir diese Situation erklärt und auch warum man grundsätzlich auf den Verzehr von Walfleisch verzichten sollte. Alle Gäste haben positiv darauf reagiert und sich auch auf dem Kreuzfahrtschiff bei der Reiseleitung für deren umsichtiges Verhalten bedankt.

 

Auf dieser Reise haben wir unser möglichstes getan den Touristen soviel wie möglich an Informationen zu geben, dass man grundsätzlich auf den Verzehr von Walfleisch verzichten sollte. Wir würden uns freuen, wenn andere Kreuzfahrtschiffe diesem Beispiel folgen würden und sich davon distanzieren, Ausflüge anzubieten bei denen Walfleisch angeboten wird.

 

Zumindest in diesen sechs Wochen, die wir diese Reise begleitet haben, ist es uns gelungen einige Menschen davon abzuhalten Walfleisch zu essen. Es war ein aufreibender und schwieriger Weg, aber er wird uns auch in Zukunft nicht davon abhalten die Wale vor der Ignoranz der Menschen zu schützen.

 

„Schaut euch die Wale lebend an und nicht auf eurem Teller“

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Buckelwal Fleisch

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