Lebensweise

Was machen Pottwale, wenn sie nicht tauchen und fressen?

Sie wandern, sie paaren sich oder sie treffen sich zu einem gemütlichen Beisammensein. So oder ähnlich könnte man den Lebensrhythmus dieser mächtigen Tiere in kurze Worte fassen. Pottwale wandern, wie andere Wale auch. Aber sie wandern doch anders. Es sind Pottwalgruppen bekannt, die sich ganzjährig in bestimmten Gebieten aufhalten.

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Sie bestehen in der Regel aus erwachsenen Weibchen und Jungtieren beiderlei Geschlechts. Andere Familien wandern stetig, um dann zu den passenden Zeiten an bestimmten Orten zu sein, die wir als Paarungsgebiete der Pottwale kennen. Die erwachsenen Männchen wandern einzeln oder in kleinen Gruppen zwischen diesen Paarungsgebieten und den nahrungsreichen Polargebieten, wobei sie bestimmte Wanderstrecken bevorzugen.

Warum wandern Wale überhaupt?

Die Sommer in den Polarregionen ziehen viele Tausend Wale an. Dann entwickelt sich dort Krill, garnelenartige Kleinlebewesen, in einer schier grenzenlos erscheinenden Menge. Dieser Krill dient den Bartenwalen, speziell den Glatt-, Blau und Finnwalen als primäre Nahrungsquelle. Diese Tiere müssen in der kurzen Zeit der polaren Sommer den Nahrungsbedarf für den gesamten Rest des Jahres zu sich nehmen. Kommt der Polarherbst, verschwindet der Krill wieder und der Tisch ist abgeräumt. Nun beginnt die Zeit der Dunkelheit und der schweren Stürme. Die Wale wandern dann in die gemäßigten und tropischen Gebiete. Während dieser Zeit nehmen sie keine, oder im Falle des Grauwals, nur wenige Nahrung zu sich. So kommt es also regelmäßig vor, dass die großen, gewaltigen Wale 6 Monate oder mehr absolut hungern.

Unserem Pottwal geht es nicht ganz schlecht. Zwar wandern die Männchen im Sommer ebenfalls in die Polarregionen. Dort sind in dieser Zeit auch die Tiefseekalmare gut genährt und sie finden reichlich Nahrung. Aber auch in der übrigen Zeit findet der Pottwal seine Beute in den gemäßigten und tropischen Zonen, aber hier sind die Tintenfische kleiner und weniger gut genährt und er muss öfter Tauchen, um die notwendigen Nahrungsmenge aufnehmen zu können. Ein erwachsener Pottwalbulle benötigt etwa 1 Tonne Kalmare pro Tag. Die Weibchen brauchen dagegen weniger als die Hälfte und können ihren Bedarf daher auch mit kleineren Tieren decken, die sie zudem schon in verhältnismäßig geringen Tiefen, in etwa 400 – 800 Metern finden. Aus diesem Grund können sie sich bei Ihren Wanderungen auf die, für die Babys und Jungtieren angenehmeren, gemäßigten und tropischen Breiten beschränken.

Pottwale leben in Gruppen von 3 bis 50 Tieren, die von einem erwachsenen Weibchen angeführt werden. Diese Gruppen bestehen aus Großmüttern, Müttern mit ihren Kälbern, aus trächtigen Weibchen, aus Jungtieren und aus noch nicht ausgewachsenen Männchen. Diese sondern sich aber bald von diesen Gruppen ab und ziehen in eigenen kleinen Gruppen auf den Wanderwegen der geschlechtsreifen Bullen. Die Pottwale haben die niedrigste Reproduktionsrate im Tierreich. Nur alle 3 – 5 Jahre wird ein Weibchen schwanger. Sie trägt ihr Junges etwa 15 Monate. Bei der Geburt, bei der das Baby wie bei allen Walen und Delphinen mit dem Schwanz voran den Mutterleib verlässt, damit es bei einem längeren Geburtsprozess nicht ertrinkt, ist das Pottwaljunge bereits 4 -5 Meter lang und wiegt fast 5 Tonnen. Es kann, natürlich, sofort schwimmen, aber noch nicht tief tauchen. Daher wird es nun beinahe 3 Jahre mit der äußert fetthaltigen Milch (sie hat einen Fettgehalt von fast 50%, einen hohen Anteil an Eiweiß, Phosphor und Kalzium, aber weniger Wasser und Milchzucker als die Milch von Landsäugern) der Mutter gesäugt. Durch die Kopf- und Maulform kann das Kleine nicht, wie bei Menschen oder anderen Säugetieren, an den Zitzen der Mutter saugen. Man nimmt an, das das Junge unter die Mutter taucht und die Zitzen mit dem Ende der Mundwinkel umschließt. Nun bekommt es die Milch von der Mutter direkt in den Mund gespritzt und braucht nur noch zu schlucken. So genährt kann das Junge bis zu 100 kg Gewicht pro Tag zulegen.

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Die Mutter geht nach der Geburt sofort wieder auf Nahrungssuche um genug Milch produzieren zu können. Dabei muss es ihr Baby an der Oberfläche zurücklassen. Da es hier, trotz seiner bereits imposanten Größe, vielen Gefahren ausgesetzt ist, sind immer andere erwachsene Weibchen der Gruppe in der Nähe. Und auch die Mutter befindet sich immer in Rufweite ihres Jungen. Bei Gefahr kann sie so innerhalb weniger Minuten wieder bei Ihrem Jungen sein.

Während die Pottwalweibchen bereits mit etwa 10 Jahren geschlechtsreif werden, sind es beim Männchen 18 -20 Jahre. Bis es soweit ist leben sie zunächst in ihren Familien, dann schließen sich sich mit anderen Jungbullen zu eigenen losen Gruppen zusammen, bis sie dann zu Einzelgängern werden, die nur noch zur Paarungszeit für wenige Stunden bis einige Tage zu den oben beschriebenen Gruppen stoßen.

Da die Pottwale während ihrer Tauchgänge auch Abfallprodukte, wie etwa CO2, produzieren, dieses aber während der kurzen Oberflächenpausen von etwa 10 Minuten nicht vollständig abbauen können, müssen sie von Zeit zu Zeit längere Pausen einlegen um ihren Körper wieder vollständig zu entsorgen. Die Wale einer Gruppe tun dies alle zur gleichen Zeit. Diese nutzen sie, um ihre Sozialbindungen zu stärken. Sie kommen zusammen, reiben ihre Körper aneinander und bleiben dicht beisammen. Es ist auch die Zeit der größten Oberflächenaktivität. Die Jungen Männchen springen in dieser Zeit oftmals fast gänzlich aus dem Wasser, um dann mit einem ohrenbetäubenden Lärm wieder auf die Wasseroberfläche zu klatschen. Die Wale schlagen dann auch gelegentlich mit der Fluke auf die Wasseroberfläche. Dies tun sie mit einer solchen Wucht, dass die Geräusche die sie dabei erzeugen selbst über Wasser noch viele hundert Meter weit zu hören sind.

Gegenüber ihren monotonen Klicks während ihrer Tauchphasen, senden sie nun wesentlich komplexere Töne aus. Diese nennt man Codas und nimmt an, dass es die Verständigungssprache der Pottwale ist. Diese Codas unterscheiden sich je nach Region. Die Wale im indischen Ozean z.B. „sprechen“ einen anderen Dialekt als die des Atlantiks. Eine weitere Spielart der Verständigung sind die mächtigen „Clangs“, welche die Pottwalbullen erzeugen, wenn sie zu einer Walschule gestoßen sind. Ob diese Töne, die im Abstand von etwa 5 Sekunden erzeugt werden, die Ankunft des Männchens für die Weibchen signalisieren sollen, oder eine Warnung an andere Bullen sich ebenfalls dieser Schule zu nähern, ist unbekannt.
Die Klicks der Pottwale sind eine wundersame Sache. Mehrmals schon hatte ich Gelegenheit mich in der Nähe einer Pottwalschule schwimmend im Wasser aufzuhalten. Ist die Neugier eines Wales erst einmal geweckt, kommt er langsam näher. Schon aus 50 Metern Entfernung beginnt er den Körper des seltsamen Wesens vor ihm abzutasten. Er tut dies, indem er seine Echoortung wie ein Sonar über den Körper gleiten lässt. Diese Klicks sind buchstäblich am ganzen Körper zu spüren. Er kommt dabei immer näher. Durch die Anordnung der Augen, die ja ziemlich weit hinten, fast am Ende des Kopfes liegen, ist seine Sicht, vor allem in der Nahzone, stark eingeschränkt, behindert durch den großen, weit nach vorn ragenden Kopf.
Man nimmt an, dass der Wal die beste Stereosicht nach vorn/unten hat. Daher dreht sich der Wal beim Näher kommen oftmals auf die Seite, so dass er den Untersuchungsgegenstand dann genau in der richtigen Sichtposition hat. Der Schwimmer sieht den Wal nun mit der im zugewandten Unterseite.

Diese Sichtweise hat den Vorteil, dass man nun das Geschlecht des Wales leicht bestimmen kann. Bei einem Weibchen liegt die Afteröffnung nahe der Geschlechtsfalte. Außerdem befinden sich neben dieser die etwas kleineren Hautfalten in denen die Zitzen verborgen sind. Beim Männchen dagegen liegt die Afteröffnung viel weiter hinten.