30 tote Pottwale – Jahresgedenken

Nun ist es genau ein Jahr her, das die Tragödie mit den 30 gestrandeten Pottwale in der Nordsee stattfand.

Seitdem ist viel spekuliert, untersucht und festgestellt worden.

Siehe hierzu auch unseren Bericht: Warum stranden Pottwale immer wieder.

Wir haben uns in diesem Bericht ausführlich mit der Tatsache auseinander gesetzt, warum die Pottwale überhaupt in die Nordsee geschwommen sind. Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule in Hannover waren damals vor Ort und halfen dabei die Tiere zu zerlegen. Die Wissenschaftlerin Frau Bianca Unger hatte es sich dabei zur Aufgabe gemacht, die Mägen der gestrandeten Tiere zu untersuchen.

Und dabei hat sie erstaunliches zu Tage gebracht.

In Ihrer neusten Studie: Large amounts of marine debris found in Sperm whales stranded along the North Sea coast in early 2016 beschreibt sie ausführlich über die Mageninhalte der gestrandeten Tiere. Und sie fand nicht nur die natürliche Nahrung wie z.B. verschiedene Tintenfischschnäbel, sondern auch extremen Plastikmüll.

Von den 30 gestrandeten Pottwalen hat Frau Unger 22 Pottwalmägen bis zum Anus hin untersucht. Kleinere Teile, die nicht direkt mit bloßem Auge zu erkennen waren, wurden gewaschen und anschließend durchgesiebt.

 

In 9 von 22 Pottwalmägen fand sie insgesamt 322 verschiedene Plastikteile unterschiedlicher Größe.

250 Teile (78 %) davon wurden als Fischerei Materialien (wie z.B. Netze, Seile und Angelhaken) klassifiziert.

72 Teile (22 %) wurden als allgemeiner Plastik bestimmt. In diese Kategorie fielen Teile wie z.B. Schokoladenpapier, Kaffeekapseln, Plastiktüten und Autoteile.

Diese Ansammlungen haben uns sehr verblüfft und wir haben Frau Unger daraufhin in Büsum im ITAW besucht, um uns einen Überblick des ganzen Plastikmülls zu verschaffen.


Sämtlicher Müll aus den Mägen bestand aus synthetischem Material, mit Ausnahme von 6 Teilen aus Holz und einem Angelhaken. Das schwerste Plastikteil fand man in einem in Frankreich gestrandetem Pottwal. Es war ein 13,1 Meter langes Fischernetz mit einem Gewicht von insgesamt 24,82 kg.

Das größte Fischernetz fand man allerdings in einem in Deutschland gestrandeten Tier. Es hatte eine Gesamtlänge von 13,5 Meter und eine Breite von 1,2 Meter.

Das größte und sicherlich skurrilste Hartplastikteil wurde ebenfalls in einem in Deutschland gestrandeten Tier gefunden. Es handelte sich dabei um ein großes Stück eines Autoteils mit einer Größe von 68 x 23,5 cm. Nach einer Recherche ergab sich, dass es sich dabei um ein Teil der Motorverkleidung eines Ford SUV handelt.

 

Wie kommt ein Autoteil in den Magen eines Pottwals? Und dass Autoteile in der Nordsee nicht ganz so selten sind, zeigte uns ein Beispiel als wir am Strand der Holländischen Insel Texel spazieren gingen. Auch hier fanden wir ein großes schwarzes Stück Plastik eines Autoteils.



Bei diesem Pottwal wurde auch in seiner Rachenhöhle ein großes Stück eines blauen Plastikeimers, sowie zwei weitere kleine Teile des Eimers im Magen gefunden.

Weitere bedeutende und unfassbare Plastikteile wie eine Kaffeekapsel (Hersteller konnte nicht identifiziert werden) und auch ein Schokoladenpapier, welches noch deutlich als Snickers erkannt werden konnte, befanden sich in Pottwalmägen, die in Deutschland untersucht wurden.

Bei den Holländischen gestrandeten Tieren wurden viele einzelne Fischernetzteile und sogar eine große schwarze Plastikfolie gefunden.
Bei allen Pottwalen wurde das gesamte Plastik ausschließlich in den Rachenräumen und in den verschiedenen Magenkammern gefunden. In den Innereien konnte kein Plastik nachgewiesen werden.

Da die Plastikteile sich alle noch in den Mägen befanden und nicht im Darm, lässt darauf schließen, dass die Tiere einige der Teile erst kurz vor dem Stranden aufgenommen hatten.

Verdeutlicht wird dies durch das noch nicht zersetzte Snickers Papier, wo die Aufschrift noch deutlich zu lesen ist.


Trotz dieser erschreckenden Anzahl an Plastik war keines der Teile für den Tod und der Strandung der Tiere verantwortlich, allerdings hätte diese im Laufe des Lebens zu erheblichen Gesundheitsstörungen und eventuell zum Tod führen können z.B. bei den beiden Tieren mit den großen Fischernetzen.

Die für uns unverständliche Frage ist und bleibt:

Wieso schluckt der Pottwal alle diese Plastikteile, gerade im Hinblick, dass es sich bei den Teilen alles um schwebende und schwimmende Teile handelte, die nicht in die Tiefe absinken?
Kaffeekapsel, Snickers Papier und Teile des Plastikeimers und nicht zu vergessen das Autoteil. Alle diese Dinge schwimmen an der Oberfläche und gehen nicht unter.

Der Pottwal nimmt nun aber mal keine Nahrung an der Wasser Oberfläche zu sich. Seine Beute befindet sich ausschließlich in der Tiefe und nur hier jagd der Pottwal und frisst.

Eine Erklärung für uns könnte sein, dass wir schon des öfteren Pottwale unter Wasser gesehen haben die mit geöffnetem Maul durch das Meer schwammen. Es ist also gut möglich das die o.g. Teile so unbewusst aufgenommen und verschluckt wurden und nicht aktiv.

Diese Hypothese diskutierten wir auch mit Frau Unger.

Aber alle Spekulationen nützen nichts, allein die Tatsache wieviel Plastikmüll in den Tieren gefunden wurde, ist erschreckend.

Siehe auch unseren Bericht: Unsere Tomaten töten Pottwale

Es zeigt uns, dass wir alle sehr viel bewusster mit Plastik umgehen sollten und natürlich soweit es möglich ist zu vermeiden.

Es hilft zum Überleben aller Meerestiere.

Versuchen wir es einfach.

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Large amounts of marine debris found in sperm whales stranded along the North Sea coast in early 2016

Bianca Unger a, Elisa L. Bravo Rebolledo b, Rob Deaville c, Andrea Gröne d, Lonneke L. IJsseldijk d, Mardik F. Leopold b, Ursula Siebert a, Jérôme Spitz e, Peter Wohlsein f, Helena Herr a,⁎