Finnwale

Windhunde der Meere 

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Finnwale gehören zu den größten Tieren der Erde. Nur der Blauwal wird noch etwas größer. Es sind schlanke Tiere, die nur etwa die Hälfte eines gleich langen Blauwals wiegen. Dafür sind sie extrem schnelle Schwimmer, die 40 km/h und manchmal sogar noch mehr erreichen.
Wie bei den Blauwalen auch, sind die Tiere der Südhalbkugel mit 20 bis 27 m länger als ihre Verwandtschaft in der nördlichen Hemisphäre, die „nur“ 18 – 24 m lang werden. Der Rücken ist dunkelgrau bis schwarz, manchmal schimmert die Haut auch etwas bräunlich.

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Finnwale sind Bartenwale und zählen zu den Furchenwalen. Im Gegensatz zu den Glattwalen (Grönlandwal, Nord- und Südkaper), die einen bogenförmigen Oberkiefer haben, von dem bis zu 4 m lange Barten herunterhängen und das Maul seitlich abschließen, wenn sie es weit geöffnet haben, besitzen Finnwale, wie alle Furchenwale, verhältnismäßig kurze Barten die nur selten eine Länge von einem Meter erreichen. Dadurch reichen sie bei einem weit geöffneten Maul nicht bis auf den Unterkiefer und es bleibt eine Lücke.

Daher haben sie Techniken entwickelt, die ihnen die Aufnahme großer Mengen von Schwarmtieren ermöglicht. Neben dem Krill, eine Masse aus kleinen und kleinsten Krebstierchen, gehören dazu noch kleine Fische bis zur Größe einer Makrele.

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Da sie ihr Maul nicht wie die Glattwale mit 3 oder 4 Meter öffnen können, aber genauso viel Wasser und Beute aufnehmen müssen, haben sie an der Unterseite ihres Mauls Falten, sog. Kehlfurchen entwickelt, die von der Spitze des Mauls bis zum Bauchnabel reichen. Im entspannten Zustand liegen diese Furchen ganz eng bei einander und der Wal hat seine ideale Stromlinienform. Bei der Jagd aber werden sie soweit ausgedehnt, dass der Wal beinahe das 4-fache seiner normalen Größe erreicht und er nun ein Vielfaches seines eigentlichen Maulvolumens an Wasser aufnehmen kann.

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Die Hälften des Unterkiefers sind nicht fest miteinander verbunden und die Seiten lösen sich voneinander, damit kann er den Unterkiefer sehr weit aufklappen und mit Hilfe seiner ausgedehnten Furchen soviel Wasser wie möglich in sein Maul aufnehmen.

Pro Tag braucht der Finnwal übrigens ca. 1,8 Tonnen Nahrung.
Doch trotz seines enormen Nahrungsbedarfs ist die Speckschicht die dem Finnwal als Wärmespeicher und Nahrungsvorrat dient, nicht sehr dick. Während z.B. beim Nordkaper die Speckschicht bis zu 50 cm dick werden kann, hat der Finnwal gerade mal eine Speckschicht von ca. 5 bis 10 cm. 

Der Finnwal hat übrigens seinen Namen von seiner großen spitz zulaufenden Rückenflosse die man Finne nennt.

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Das auffälligste Merkmal ist aber die asymmetrische Färbung seines Unterkiefers, der weiß oder cremefarben auf der rechten Seite und schwarz gesprenkelt auf der linken Seite ist. Manchmal setzt sich die Färbung auch auf den Körper fort.

Da wir Finnwale auch schon beobachtet haben, dass sie sich beim Fressen auf die Seite drehen, könnte diese unterschiedliche Färbung bei ihrem Fang eine Rolle spielen.

Finnwale jagen einzeln oder in kleinen Gruppen. Sie tauchen bis zu 300 m tief und können bis 20 min untergetaucht bleiben. Normalerweise sind ihre Tauchtiefen und Zeiten aber geringer. Bei der Jagd stoßen sie von unten oder schräg unten in einen Fisch- oder Krillschwarm mit weit geöffnetem Maul hinein. Dabei dehnen sich die Bauchfalten, wie schon beim Blauwal beschrieben, weit aus und sie nehmen ein Vielfaches ihrer Maulgröße an Wasser auf. Dann ziehen sie durch Muskeln die Falten wieder zusammen und pressen dass Wasser durch die Barten hinaus.
Zurück bleibt die Beute, die nun heruntergeschluckt werden kann.. Taucht ein Finnwal aus solch einem Krillschwarm auf, bringt er noch ein paar Beutetiere auf seiner Haut mit nach oben.
Finnwale sind, obwohl zu Hochzeiten des Walfangs ebenfalls gewaltig dezimiert, im Verhältnis zu Blauwalen noch recht zahlreich. Ihre Gesamtpopulation wird auf etwa 40000 bis 80 000 geschätzt.

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Sie kommen in den großen Ozeanen und im Mittelmeer vor. Gelegentlich werden auch Tiere in der Nordsee und sogar in der Ostsee gesichtet. Hier ist das Nahrungsangebot aber zu niedrig. Wenn die Tiere nicht rechtzeitig den Rückweg finden, verenden sie früher oder später…
Finnwale sind langlebige Tiere. Japanische Wissenschaftler bestimmten das Alter eines Finnwals aufgrund von Ohrwachs- Untersuchungen mit 114 Jahren.
Doch das ist noch nicht das höchste Alter, das Finnwale erreichen können. Denn im Sommer 2010 hatte sich im viel zu seichten Vejlefjord am dänischen Kattegatt ein Vertreter dieser Tierart verirrt. Zwar konnten Freiwillige den Wal nach dem Stranden wieder in tieferes Wasser bringen, aber die Kräfte des alten Tieres reichten nicht mehr für die endgültige Rückkehr in offene Gewässer. Schon damals meinten Experten, dieser Finnwal müsse krank sein. Bei der chemischen Analyse der Asparaginsäuren in der Augenlinse grenzte Abdi Hedayat vom Naturhistorischen Museum in Kopenhagen das Lebensalter des männlichen Finnwals auf 130 bis 140 Jahre ein. Bei der Untersuchung der nach Kopenhagen transportierten Knochen bestätigte sich dieses Bild durch augenscheinliche Altersprobleme, mit denen auch Menschen zu kämpfen haben. Der Wal hat nach Aussage der Wissenschaftler an Arthrose gelitten. Außer dieser altersbedingten Form von Gicht sei auch Knochenschwund (Osteoporose) zu beobachten. Mit 17 Metern war der männliche Wal deutlich kleiner als seine Art- und Geschlechtsgenossen. Die untersuchende Wissenschaftlerin vermutet, dass dieses Tier aufgrund seines Alters wohl schon eingeschrumpft war. Das Skelett soll wieder komplett zusammengesetzt und zuerst in Vejle ausgestellt werden, wo der Wal sein trauriges Ende fand. Anschließend geht es für das vier Tonnen schwere Knochengerüst wieder nach Kopenhagen, zur endgültigen „Ruhestätte“ im Naturhistorischen Museum.