Ein Mythos

Wurde bereits im Alten Testament ein Pottwal erwähnt?
Zunächst ist beim Propheten Jonas von einem großen Fisch die Rede, der ihn als Strafe Gottes verschlungen hat. 

Später, in der Bibelübersetzung Martin Luthers, wird bei Matthäus aus dem großen Fisch der erste schriftlich erwähnte „Walfisch“:

„Denn gleich wie Jonas war drey Tage und drey Nacht in des Wallfisches Bauch …“

Sicher ist, dass bereits im Altertum Pottwale bekannt waren. Es existieren etliche Darstellungen von ihnen. Da von ihnen aber über Wasser kaum etwas zu sehen war, liegen sie auf alten Bildern und Zeichnungen mit dem Bauch auf dem Wasser. Vielleicht liegt es auch daran, dass durch gelegentliche Strandungen das Aussehen der Pottwale schon lange vor Beginn des Walfanges gut bekannt war.

In Comics werden, wenn Wale benötigt werden, ebenfalls meistens Pottwale gezeichnet, wie hier bei Disneys Donald Duck aus der Geschichte: „Seemannslos“, der in seinen Geschichten schon mehrere Abenteuer mit Pottwalen zu bestehen hatte.

Um ihn als Wal überhaupt erkennen zu können, muss auch dieser mit dem Bauch auf dem Wasser liegen.

Im Jahre 1839 erregte der Marineoffizier Jeremiah Reynolds mit einem Artikel aufsehen, der von einem riesigen weißen Pottwal Namens „Mocha Dick“ berichtete, so benannt nach einer chilenischen Insel. Der soll nicht nur etliche Walfangboote sondern sogar das Mutterschiff Namens Essex versenkt haben!

Dieser Pottwal sei 30 m lang und über 100 Tonnen schwer gewesen. Sein Körper war über und über mit Harpunen gespickt. Nach seinem Bericht wurde der Wal an weit voneinander entfernten Plätzen gesehen und viele Harpuniere rühmten sich, diesen Wal erlegt zu haben.

Ob es immer der gleiche war, ob er diese Größe erreichte und, ob er tatsächlich getötet wurde, darf bezweifelt werden. Sicher scheint jedoch zu sein, dass dieser Pottwal Hermann Melville zu seinem 1951 erschienenen Welterfolg Moby Dick inspirierte, der den Kampf eines besessenen Walfängers mit einem gigantischen, weißen Pottwal beschreibt.

Moby Dick wurde das Synonym für den Pottwal, ja sogar das Synonym für Wale oder auch große Fische schlechthin. Selbst Kinder ordnen diesen Ausdruck einem Pottwal zu.

Dazu hat nicht zuletzt der 1956 fertig gestellte und seitdem in unzähligen Wiederholungen gesendete, gleichnamige Film mit Gregory Peck als verbitterten Käpitän Ahab, der das von Moby Dick abgerissene linke Bein durch einen Walknochen ersetzte, beigetragen.

1997 folgte ein Remake dieses Films mit Patrick Stewart in der Rolle des Käpt'n Ahab. In dem 1997 in Australien gedrehten Film taucht auch Gregory Peck, diesmal als Prediger wieder auf.

Ein heutiger Nachfahre Hermann Melvilles ist in der Techno-Szene als „Moby“ erfolgreich.

Auf unzähligen Darstellungen sehen wir Moby Dick als Inbegriff des Kampfes Mensch gegen das Ungeheuer.

 

Doch Pottwale, ob dunkel oder hell, haben mit dem angrifflustigen, Schiffe versenkenden Filmstar nun so gar nichts gemeinsam. Als die friedliche Erforschung der Wale in den fünfziger Jahren begann, standen die Wissenschaftler den Tieren sehr skeptisch gegenüber. Zu viel hat man von den Walfängern gehört, die ihren heroischen Kampf gegen ein kraftvolles, übermäßiges Ungeheuer geführt haben, das nur die Vernichtung der Schiffe im Sinn hatte. Doch schnell haben sie erkannt, dass diese Tiere friedvolle Wesen sind, die dem Menschen eher ausweichen als ihm zu nahe zu kommen.

Innenleben – zurück zu Jonas 

Als Jonas von einem Pott?-Wal verschluckt wurde, begab er sich auf die lange Reise in das Innere des Wales. Sein erster Eindruck waren die Zähne. Furcht erregend groß und mächtig.

Wie wir schon früher gehört haben, sind es die größten im Tierreich (mit Ausnahme von Stoßzähnen).
22 Paar auf jeder Seite des Unterkiefers, verankert in einem Zahnbett des Unterkieferknochens, während die Zähne des Oberkiefers so gut wie gar nicht in Erscheinung treten.

Die Unter- und Oberkieferzähne eines ca. 14 m langen Pottwalbullen

Doch bei aller imposanten Größe, geht von diesen Zähnen kaum Gefahr aus. Jungtiere bekommen ihre Zähne erst, wenn sie beginnen feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Zähne des Weibchens sind insgesamt viel kleiner als die eines ausgewachsenen Männchens. Ja, manche weiblichen Tiere haben gar keine oder nur sehr rudimentäre Zähne. Daher können sie für den Nahrungserwerb kaum eine große Rolle spielen. Wozu dienen sie dann? Walfänger haben von Kämpfen zwischen erwachsenen Bullen berichtet.

Aber beim Walfang waren die Tiere in extremen Stresssituationen. Außerhalb dieser Gemetzel wurden noch keine Kämpfe beobachtet. Lediglich Kratzspuren an der Pottwalhaut, die von diesen Zähnen herrühren könnten, deuten auf Kämpfe hin, bei denen die Zähne eingesetzt werden. So ist die Bedeutung dieser gewaltigen Zähne für den Pottwal bis heute unklar. Vielleicht halten sie damit ihre glitschige Beute fest, um sie dann mit ihrer muskulösen Zunge weiterzutransportieren.

Was wir aber im Allgemeinen zu Gesicht bekommen ist nur die Elfenbeinummantelung der Zähne, bei denen es sich um die mehrkronigen Zähne eines Raubtiergebisses handelt. Jüngere Forschungen (Behrmann, 1997) haben dies bewiesen. Danach handelt es sich in der Regel auch um das Erstgebiss des Pottwals, also um das, was bei den Menschen die Milchzähne sind.

Ausgebrochene Zähne können nachwachsen

Da aber weitere Zahnanlagen vorhanden sind, können ähnlich wie bei Reptilien oder Haien, ausgebrochene Zähne nachwachsen. Nach der gängigen Lehrmeinung kann anhand der so genannten Jahresringe an den Zähnen das Alter eines Wales bestimmt werden. Lt. Behrmann sind dies aber keine Jahresringe, sondern die Ausprägungen der verschiedenen Nahrungsperioden. Kommt ein Pottwalbulle also aus der Arktis zu den Paarungsgebieten an den Äquator, findet er dort erheblich weniger Nahrung. Es erfolgt eine leichte Wachstumsschwäche der Zähne. Kehrt er später wieder zu seinen üppigen Nahrungsgründen zurück, werden die Zähne wieder optimal versorgt. Diese Perioden lassen sich an den Zähnen nachvollziehen.
Untermauert wird dies auch durch Beobachtungen an weiblichen Zähnen, die vor allen während der Schwangerschaft und der anschließenden Säugezeit nicht optimal mit Mineralien versorgt werden, da diese hauptsächlich in die fett- und mineralhaltige Milch der Walkuh eingehen.
Somit lässt sich das Alter eines Pottwales auf diese althergebrachte Weise nicht feststellen. Daher sind alle Altersangaben mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen.

Die Speiseröhre eines Potwalbullen vor dem Eingang in den Magentrakt

Nachdem Jonas die Zähne passiert hat, stößt er auf die Zunge des Wales. Diese ist sehr flexibel. Da sie über starke Muskeln mit dem Unterkiefer, anders als beim Menschen, verbunden ist, kann sie durch das Hin- und Herbewegen einen starken Sog erzeugen, der möglicherweise die Hauptwaffe beim Beuteerwerb darstellt. Nun geht es in die mannsdicke Speiseröhre des Pottwales. Vorbei an der nun verschlossenen Luftröhre, vorbei auch an der, im Verhältnis zur Größe, recht kleinen Lunge. Vorbei auch an seinem gewaltigen etwa 1 m3 großem Herzen in den Magentrakt.

Die Form des Magens hat man früher mit dem gekammerten Magen eines Pflanzenfressers verglichen und kam so auf pflanzenfressende Huftiere als Vorfahren unseres Pottwales. 

Doch neue Forschungen haben ergeben, dass der Magen nur durch seine äußere Form an einen gekammerten Magen erinnert. In seiner Funktion ist es der Magen eines Fleischfressers.

Der Darm misst fast 200 m

Bevor es nun in den fast 200 Meter langen Darm geht, kommen noch die Nieren ins Spiel. Im Gegensatz zu unseren menschlichen Nieren in ihrer klassischen Form, besteht die Niere des Pottwales aus vielen, vielen kleinen Nieren. Diese müssen dann auch Höchstleistungen vollbringen. Denn ein Wal hat keinen Zugang zu Süßwasser. Was er an Flüssigkeit braucht, nimmt er mit seiner Nahrung auf. Damit nimmt er auch immer wieder große Mengen Salzwasser auf.

Die Nieren haben nun die Arbeit dieses Salzwasser zu bearbeiten und wieder auszuscheiden.

Da der Wal ein Wirbeltier ist, soll die Wirbelsäule noch erwähnt werden. Wie bei allen Säugetieren besteht zu zunächst aus den 7 Halswirbeln. Diese sind bei den meisten Walen kaum als einzelne Wirbel zu erkennen, da sie fest zusammengewachsen sind.

Dadurch können die überwiegende Anzahl der Wale und Delfine ihren Kopf nicht drehen. Er ist also immer nach vorne gerichtet.

Danach kommt eine variable Anzahl an Brust-, Lenden- und Schwanzwirbeln. Mit bis zu 95 Wirbeln besitzen die Wale unter den Säugetieren die längsten Wirbelsäulen.

Unser Pottwal hat insgesamt 50 Wirbel. Neben den 7 Halswirbeln sind dies 11 Brustwirbel (an denen die Rippen aufgehängt sind), 8 Lenden- und 24 Schwanzwirbel. Die Wirbel haben teilweise Durchmesser von bis zu 80 cm.

Bei der großen Anzahl müsste unser Wal allein am Gewicht der Wirbelsäule schon schwer zu tragen haben. Aber auch hier hat die Evolution Wunder bewirkt. Die Knochen der Wirbelsäule sind überaus porös. Sie bestehen aus vielen winzigen Kammern.

Wie man in einem Querschnitt gut erkennen kann. Dadurch verringert sich ihr Gewicht erheblich, ohne die Festigkeit zu beeinträchtigen. Beim lebenden Wal sind diese Kammern darüber hinaus noch mit einer ölartigen Flüssigkeit gefüllt, die den Wirbeln weiteren Auftrieb verleiht. Daher ist der Wal trotz der enormen Massen seines Körpers an der Wasseroberfläche gewichtsneutral. Er kann also ohne weitere Anstrengungen ruhig an der Wasseroberfläche liegen und rasten.

Da Jonas nicht verdaut wurde, sondern der Fisch ihn wieder ausspie, konnten wir seinen Weg nicht weiter verfolgen. Aber auch dieser kurze Einblick in das Innere des Wales förderte schon Interessantes zu Tage.

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