Die Beute

Pottwale sind Meister im Tieftauchen. Kein anderes Säugetier ist in der Lage so tief und so lange zu tauchen wie ein ausgewachsener Pottwalbulle. Doch warum taucht er so tief? Es ist sein enormer Nahrungsbedarf von über einer Tonne pro Tag, der ihn hinuntertreibt.

 An der Wasseroberfläche lässt sich für solch ein schwerfälliges Tier wie es der Pottwal nun einmal ist, kaum eine ausreichende Menge zu fressen finden. Selbst wenn er in große Fischschwärme hineinschwimmen würde, könnte er aufgrund seiner Maulform keine größere Menge fressen. Und große Beutetiere sind in der Regel viel zu schnell für diese große Raubtier.
Also taucht er in die pechschwarze, unwirkliche Tiefe. Dort orientiert er sich mit seinen Echoklicks und versucht die hier  lebenden Tiefseebewohner aufzuspüren. Dies können bodenlebende Fische sein. Auch große Tiefseehaie hat man schon im Magen von Pottwalen gefunden. Aber der wirkliche Leckerbissen für den Pottwal sind Tintenfische.

Die Weiten der ozeanischen Tiefsee werden von Tiefseekalmaren bewohnt

Auf alten Bildern als Schiffe versenkende  Monster gezeigt, ist die Masse in der Regel aber nur 40 cm bis zu 3 m lang. Nur die Riesenkalmare, zu denen auch der Architeuthis gehört, werden größer. Das längste vermessene Tier war mit den langen Fangarmen ca. 20 m lang. Das größte, in einem Pottwalmagen gefundene Tier, maß knapp 11 m.

Wir hatten die Gelegenheit, bei der wissenschaftlichen Vermessung des einzigen Exemplares eines Architeuthis sp. in Deutschland zugegen zu sein. Das Tier ist einem Fischer in Neuseeland ins Netz gegangen. Von dort kam es tiefgefroren in das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Dort wurde es aufgetaut und in eine Formalinlösung gelegt. Die Vermessung nahm Volker Miske von der Uni Greifswald vor. Er ist der Tintenfischexperte in Deutschland schlechthin.

Die Vermessung brachte Erstaunliches zu Tage. Es handelte sich um einen männlichen, geschlechtsreifen Architeuthis mit einer Gesamtlänge von 6 Metern. Dies dürfte auch die Durchschnitts-größe dieser Spezies sein. Der eigentliche Körper hatte eine Länge von ca. einem Meter. Der Penis maß 40 cm. Das eigentlich erstaunliche aber waren die gefundenen Spermien in den Höhlungen des Körpers. Es waren eine ganze Menge. Entweder war dieses Tier schwul oder die Spermien dienen als Vorrat, bis ein empfangsbereites Weibchen gefunden wird.

Die suppentellergroßen Saugnapfabdrücke, die schon an Pottwalen gesehen sein sollen, gehören aber in das Reich der Fabel. Die Saugnäpfe dieses Tieres maßen gerade mal 3 cm im Maximum. Daher sollten sie auch bei ausgesprochenen Riesen nicht größer als 6-7 cm werden.

Wenn diese Abdrücke einem jungen Pottwal beigebracht wurden und dieser noch kräftig wächst, könnten auch solche Merkmale mitwachsen. Daher sind auch größere Abdrücke durchaus denkbar, die zehn und mehr Zentimeter Durchmesser haben. Dieser Architeuthis wog etwa 60 kg. Um den Nahrungsbedarf für einen Tag zu decken, muss unser Pottwalbulle also etwa 20 Stück dieser Größenordnung erbeuten. Inzwischen wurde dieses einzige Architeuthis Exemplar in Deutschland, weltweit sind es nicht mehr als 20, präpariert und im Deutschen Meeresmuseum in Stralsund der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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